108. 18.1.2014
Was sollte man unbedingt machen wenn man von drei Seiten umgeben von Meer ist? Genau, den Sonnenaufgang anschauen. Mit Sonnenaufgängen verbunden ist leider zwangsläufig frühes Aufstehen. Nach einigem Suchen finde ich einen Platz am Strand, der nicht gänzlich von indischen Pilgern überfüllt ist und kann beobachten wie sich die Sonne beim Durchziehen der über dem Meer liegenden Dunstschleier von blutrot zu gelb verfärbt und sich das matte Leuchten zu einem stechenden Strahlen intensiviert. All das in höchstens drei Minuten, wirklich beeindruckend und äußerst fotogen. Auf Fotos müsst ihr trotzdem warten, mein Handy scheint langsam genug zu haben vom ständigen Wechseln der SD-Karten und das letzte was ich hier brauchen kann ist ein defektes Smartphone.
Mein gewiefter Plan war das Schöne mit dem Nützlichen zu verbinden und die chronisch überfüllte Fähre zu einer vorgelagerten Insel frühmorgens zu nehmen, wenn noch nicht so viel los ist. Dachte ich zumindest, die Warteschlange zieht sich durch den dafür abgesperrten Bereich über die angeschlossene Gasse und die folgende Nebenstraße auf die Hauptstraße, wo sie nach weiteren 50m verläuft. Desillusioniert hole ich noch etwas Schlaf nach bevor ich um zwei Uhr nachmittags einen weiteren Versuch starte, der besser gelingt. Eigentlich gibt es zwei Inseln oder besser, große Felsen im Meer, die die Fähre nacheinander ansteuert. Auf der ersten ist (Raten Sie: Ein Ufo / Ein Tempel / ein Konzertgelände), die zweite bildet das Fundament für eine gigantische Statue des indischen Philosophen Vivekananda, der auf ebenjenem Felsbrocken meditiert haben soll. Das Monument sieht aus wie die in Felsen geschlagenen Könige in "Der Herr der Ringe - Die Gefährten" und gibt der ganzen Szenerie etwas surreales. Zurück auf dem Festland streife ich noch ein wenig durch Kanyakumari und besuche außerdem ein Museum über Vivekananda, der für den Hinduismus das ist, was die Befreiungstheologie für die römisch-katholische Kirche (unter Vorbehalt). Nach dem Abendessen gönne ich mir im teuersten Hotel der Stadt das erste Bier seit zwei Wochen (kostet exakt so viel wie mein gesamtes Abendessen inkl. Getränke) und skype bis zur Heiserkeit.
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