99. 9.1.2014
Bereits um fünf weckt mich traditionelle indische Musik aus dem nahegelegenen Tempel, die die nächsten eineinhalb Stunden Schlaf unmöglich macht, sich gegen halb sieben aber wieder legt. Das sei nichts besonderes und während des gesamten Januars der Fall erzählt mir der Rezeptionist. Kurzerhand verschiebe ich meine Aufstehzeit von sieben auf neun und lege mich nochmal schlafen. Nach einem späten Frühstück in der German Bakery mache ich mich an die Besteigung des Arunachala genannten Hausberges von Tiruvannamalai. In irgendeiner Weise verkörpert dieser 800m hochragende Berg Shiva, weswegen er auf der Heiligkeitsskala der Hindus ganz oben rangiert. Er macht einem die Besteigung jedenfalls nicht leicht, zum einen wegen der schweißtreibenden Temperaturen, zum anderen weil der gesamte Aufstieg nur aus Steilstufen am Übergang von steigen zu klettern besteht. Aufwärts gehe ich mit einer Japanerin, die seit 2,5 Jahren unterwegs und jetzt pleite ist und deswegen in Ashrams lebt. Oben treffe ich einen Amerikaner, der in Israel gearbeitet hat bis ihn seine Freundin verließ und der seitdem auf Sinnsuche ist und meditiert. Den Abstieg geselle ich mich zu einer Kasachin und einem Russen, die beide zu schlecht Englisch sprechen, als dass ich über ihre Hintergründe berichten könnte. Die Aussicht war phänomenal, da der Berg wie schon gesagt monolithisch in der Landschaft steht. Für alles andere fehlt mir der sechste Sinn, ich habe zumindest keine Energiestrombündelungen in der Erde gespürt.
Vor dem Abendessen gehe ich meinem neuen Hobby nach: Straßenszenen beobachten. Ein Kaffee kostet umgerechnet 20ct und ist ein wunderbarer Vorwand um sich hinzusetzen und den Farben, Menschenmengen, Straßenhunden, Rikshas, Motorrädern und Kühen zuzusehen.
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