105. 15.1.2014
Laut Bahnticket fährt mein Zug um 7:15 Uhr ab. Trotz der vielen Geschichten über mehrstündige Verspätungen bin ich lieber mal pünktlich. Siehe da, der Zug ist es auch. Der schwerste Teil soll angeblich das Ausfindigmachen des eigenen Wagens sein, da die Züge um ein Vielfaches länger als unsere sind. Aber auch das klappt problemlos, gottseidank sind die Bezeichnungen nicht auf Tamil. In den Tageszügen mit Sitzwägen gibt es drei Klassen: AC Chair Car, Chair Car, 2nd unreserved. Die AC Klasse ist vergleichbar mit unserer zweiten und kostet etwa ein Fünftel davon. Den Luxus habe ich mir gegönnt und für die 160km umgerechnet 4,50€ gezahlt. In der Chair Class wären es 1,50€ gewesen und auch die ist noch annehmbar. Etwas gedrängter und ohne AirConditioning (im Sommer also nicht empfehlenswert), aber mit zugewiesenen Sitzplätzen und Reservierungen. Über die 2nd Class habe ich bisher nur den Kommentar: "Only for the brave." gehört.
Nachdem mein Reiseführer Madurai in höchsten Tönen lobt hatte ich mich schon auf einige Tage hier eingestellt. Aber unterm Strich ist das eine normale mittelgroße (1,2 Millionen Einwohner) Stadt mit schönem Tempel in der Mitte und etwas weniger Verkehr. Nachdem ich nach einer Dreiviertelstunde endlich ein Hotel mit vernünftigem Preis-Leistungsverhältnis gefunden habe hole ich erstmal Schlaf nach.
Den restlichen Nachmittag schlendere ich durchs Stadtzentrum. Man gewöhnt sich hier daran in neuen Orten zuerst ziellos herumzulaufen. Denn ehrlich gesagt sind die Tempel, Forts und Schreine nicht halb so interessant wie die Menschen darum und darin. Da der Tempel den gesamten Tag lang von einer Warteschlange geziert wird, sehe ich mir alternativ einen ehemaligen Herrschersitz an, der ausnahmsweise muslimische Architektur in sich trägt (anscheinend hat es mal einer der Moguln geschafft so weit gen Süden vorzudringen). Jeden Abend wird dort eine Geschichte als Hörbuch mit Lichtinstallation erzählt. Es dreht sich irgendwie um einen Kaiser wie toll er war und wie toll Tamil Nadu ist und es ist sehr konfus, aber das indische Englisch kann man glücklicherweise leicht überhören. Was bleibt ist ein imposantes Gebäude und eine gelungene Illumination.
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