Dienstag, 27. Mai 2014

Auf Tauchstation 3

225. 25.05.2014

Nach den letzten, eher passiven Tagen bin ich heute voll integriert. Zum einen nehme ich an Evas beiden letzten Tauchgängen teil, zum anderen steht heute der Nightdive an. Die Sicht hat sich während der letzten Tage verschlechtert und liegt "nur" bei ca. 15m, was nach normalen Maßstäben aber immer noch sehr gut ist. Mich ärgert lediglich, dass ich, obwohl ich Beine kaum und Arme überhaupt nicht bewege, nach knapp einer Stunde auftauchen muss, während Eva fast siebzig Minuten mit derselben Menge Sauerstoff auskommt. Balance und Sauerstoffverbrauch sind die zwei größten, bleibenden Herausforderungen, die man über Jahre perfektionieren kann (unser Tauchlehrer kann mit derselben Flasche Sauerstoff drei Stunden Unterwasser bleiben und benötigt die Luftkammern in seiner Jacke gar nicht). Zu sehen gibt es vor allem eine Meeresschildkröte, die Korallen zutraulich aus der Hand frisst. Drei der vier Holländer fangen parallel mit ihrem Tauchschein an und so haben wir ein volles Boot. Nach Rückkehr und Mittagessen schlafe ich etwas und setze meine seit Monaten andauernde, durch Kindlediebstähle und Besuche aus der Heimat unterbrochene Lektüre "Hinduismus für Dummies" fort. Um sechs legen wir für das Highlight des Tages ab, dieses Mal nur Aloo, der Tauchlehrer, Eva und ich.
Es ist ein komisches Gefühl, sich vom Bootsrand rückwärts in schwarzes Wasser fallen zu lassen. 15 Meter unter dem Merresspiegel ist von selbigem im Dunklen nichts mehr zu sehen und man fühlt sich endgültig wie in einer anderen, verlangsamten, schwerelosen Welt. Hier und da zeigen sich ein paar Fische, die meisten aber haben längst Verstecke für die Nacht aufgesucht und manchmal entdeckt man sie regunglos wie in Schockstarre in Höhlen und Korallen. Dafür sind Krebse und Garnelen nun umso aktkiver. Aber das Tauchen nachts scheint weniger das Gesehene und mehr die Atmosphäre auszumachen. Zum Schluss stoppen wir fünf Meter unter der Oberfläche, schalten die Taschenlampen aus und können so das Plankton sehen, dass bei Berührung fluoresziert, sodass Bewegung leuchtende Spuren hinterlassen (es sieht aus wie viele Glühwürmchen auf einem Haufen. Im Laufe des restlichen Abends erreichen wir beide unsere Tagesziele, ich verbrauche beim letzten Tauchgang wesentlich weniger Luft, Eva besteht die Theorieprüfung und daraf sich von jetzt an "Open Water Diver" nennen.

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