172. 26.3.2014
Die Zeit vor der Zugabfahrt reicht gerade noch für einen Chai mit Blick aufs Taj Mahal. Eva und Katha haben es da nicht so gut, ihr Zug fährt bereits um sechs, was Aufstehen um halb fünf erfordert. Dafür sind sie eine Stunde vor uns in Delhi, was ihnen die besondere Ehre verschafft, ein Hotel für alle suchen zu dürfen. Unsere letzte Haltestelle erweist sich als Vorstadtbahnhof, von wo wir erst vier Kilometer Taxi fahren und dann drei verschiedene Metrolinien benutzen müssen, bis wir in der Innenstadt sind. Die Metro ist ein Wunder. Sauber, leise, modern, unkompliziert. Als ob die Leute ihre Manieren beim Durchlaufen der Schleuse umpolen würden. Voll ist sie natürlich trotzdem, da bringt bei dieser unvorstellbaren Bevölkerungsdichte auch die 2-Minuten Taktung nichts.
Eva, Katha und Hotel sind schnell gefunden, danach wird spät gefrühstückt und vorbereitend auf den Abflug der anderen drei morgen gepackt. Während der Rest Souvenirs shoppt, gehe ich zum airtel Shop, da meine SIM Karte seit letzter Nacht streikt. Nach einer Stunde Wartezeit im Einwohnermeldeamtstil erfahre ich, dass man in Delhi rein gar nichts über die Karten der Kollegen aus Tamil Nadu (dort habe ich sie gekauft) wisse und ebensowenig helfen könne.Wahrscheinlich ist, dass meine SIM nach 90 Tagen automatisch deaktiviert wurde, da ich Ausländer bin. Eine Reaktivierung dauert in etwa so lange, wie ich noch in Indien bin, kommt also nicht infrage. Dafür bietet mir Socke ihre SIM an, mit verbliebenem Guthaben darauf. Wir treffen uns wieder in einem der omnipräsenten Coffee Days (geschätzte 50 Stück am Conought Circle - das ist keine floskelhafte Übertreibung), wo ich gerade einer Angestellten mit einem Anruf bei ihrem Chef drohe, weil sie dreist genug war, den eineinhalbfachen Preis zu verlangen und mir daraufhin die Rechnung zu verweigern. Nachdem die Sache geklärt ist, drehen wir eine Runde um den Conought Place, der zur Zeit auf Initiative der Alliance Francaise (vgl. Goethe Institut) mit Fotoserien indischer Künstler behangen ist. Im nahegelegenen Parikrama Restaurant im 24. Stock trinken wir gemeinsam was und bekommen nebenbei einen Stadtrunblick, da sich die Tische in dem runden Saal einmal pro Stunde um das Zentrum drehen. Der Sättigungswert der Drinks scheint enorm zu sein, denn danach spürt niemand mehr Verlangen nach Essen. Trotzdem statten wir unserem Frühstücksrestaurant noch einen Besuch für einen Absacker ab, hier bekannt als "Special Tea" und stilecht unauffällig serviert in Teetassen. Da sich einfachere Restaurants keine Ausschanklizenz leisten können oder wollen, findet sich das Kingfisher hier auf keiner Getränkekarte, bekommen wird man es trotzdem fast sicher. Wir bleiben bis Ladenschluss, für Socke, Ladegast und Pietsch ist das immerhin der letzte Abend in Indien nach 39 bzw. 16 bzw. 22 Tagen, die sie offensichtlich genossen haben.
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