Montag, 28. Oktober 2013

Ein bisschen Mt. Elgon

30. 28.10.2013

Hab ich es nicht gesagt? Erst kriege ich kein Frühstück, dann stellt sich heraus, dass Ken weniger als Freund und mehr als Guide dabei ist, sprich: Wir zahlen ihm alles. Oder auch nicht, denn wir beschließen kurzerhand, ihn zurück nach Eldoret zu schicken. Wir erstatten ihm seine Kosten, aber ein wenig Leid tut er mir schon, gerade weil im Gegensatz zu anderen nicht lautstark verhandelt, sondern unser finales Angebot nur mit traurigem Blick annimmt.
Zum Nationalpark zu kommen bereitet keine Probleme, die fangen erst am Gate wieder an: Obwohl G. uns versichert hat, in Westkenia Schüler/Studentenrabatt zu erhalten, zahlen wir den vollen Preis. Dass man, anders als einige uns weismachen wollten, für ca. 26€ keinen Wagen gestellt kriegt, habe ich zwar erwartet, aber ein bisschen mit der Vorstellung gespielt hatte ich trotzdem. 70€ + 26€ + 40€ für Wagen, Guide und Eintritt sind dann doch etwas viel und wir entscheiden uns gegen die Besteigung und für eine Wanderung im Park, was zwar immer noch einen Guide erfordert, allerdings zu einem niedrigeren Satz und natürlich ohne Wagen. Wir schauen uns also Höhlen und Wasserfälle an und zwischendurch immer wieder mal ein paar Antilopen und Affen. Hat sich trotz fehlender Höhenerfahrung gelohnt. Während der Tour treffen wir ein schottisches Pärchen auf Marathonsafari. Er, Psychologe in Manchester, hat zum Geburtstag eine zweieinhalbwöchige Reise mit engem Terminkalender durch diverse Nationalparks in Afrika geschenkt gekriegt. Zusammen stoßen wir auf die wenig überraschende Einsicht: "You either have the money or the time. Never both." Nach problemloser Rückfahrt muss Katha erneut erkennen, dass eine Speisekarte hier eher etwas wie ein kreativer Raum des theoretisch Möglichen und kein konkretes Angebot ist. Ich darf mich dafür mit der Chefin herumschlagen, weil mir ein Gericht als zwei berechnet wird. Bevor wir zurück in unser lautes, schönes, günstiges Hotel kehren, kaufen wir noch Lebensmittel für den Trip in den Norden ein. 290km nach Lodwar, 6 Stunden Fahrt, von gemäßigter Höhenlage in die brütend heiße Wüste. Ganz ungefährlich ist der dünn besiedelte Landstrich (naja, eigentlich macht er über ein Drittel der Fläche Kenias aus) nicht, die Nähe zu Krisengebieten wie dem Sudan und Somalia macht eine AK47 dort auch für Otto-Normalnomade erschwinglich. Lange nutzte man diese ganz klassisch für Viehdiebstähle untereinander, irgendwann muss aber jemand festgestellt haben, dass ein Auto mitsamt Ladung wesentlich einträglicher ist. Im Gegensatz zu den anderen Routen ist unsere immerhin geteert, was das Risiko tagsüber gleich null gehen lässt. Meine Erreichbarkeit könnte ab morgen jedenfalls etwas eingeschränkt sein, in maximal vier Tagen sind wir aber wieder zurück im (vergleichsweise) zivilisierten Teil Kenias. 

Anbei ein schönes Gesicht, in seiner Ästhetik höchstens vom Rahmen der Autotür gestört.

Sonntag, 27. Oktober 2013

Los geht's

29. 27.10.2013

Der Vormittag verläuft vor allem schlafend, und viel spektakulärer wird es bis 15 Uhr auch nicht. Nach 2 Stunden Packen haben wir ein tragbares Ergebnis und treffen uns erneut mit Ken, der mit nach Kitale kommt, weil es ihn nichts kostet, ein Teil seiner Familie dort wohnt und er neugierig ist. Dann funktioniert alles bedenklich geschmiert, ich vermute, irgendwann rächt sich das. Das TukTuk nimmt uns zur Haltestelle, 20 schwarze Gesichter brüllen uns an und versuchen, uns zu ihrem Matatu zu lotsen, trotzdem finden wir ein Gutes zu einem fairen Preis. In Kitale fahren wir per Motorrad zwar zweimal zum falschen Hotel, zahlen aber nichts drauf, weil die Fahrer ihre Fehler tatsächlich selbst eingestehen (und Motorbike fahren macht verdammt Spaß!). Das Hotel kostet 9€ für ein Zimmer mit warmer(!) Dusche und das Abendessen 6€, obwohl wir für Ken mitzahlen. Hoffentlich kriegen wir das alleine auch so gut hin...
Morgen geht es in den Mt. Elgon Nationalpark und wenn das Wetter und die Kosten mitspielen, zumindest für mich auf den Kratterrand des Vulkans (4100m). Geiles Gefühl wieder unterwegs zu sein!

Ruhe vor der Reise

28. 26.10.2013

Den ganzen Tag verbringe ich auf verschiedenen Sitzgelegenheiten beim Lesen, Katha geht immerhin noch ins Gym. Abends dann doch ein wenig Aktivität, wir gehen ein letztes Mal feiern mit Perpetual und Caroline, in dem Club, in dem wir bereits das erste Mal waren, nur, dass innerhalb von drei Wochen die komplette Inneneinrichtung gewechselt wurde. Mit Exotenbonus kriege ich mal wieder Drinks ausgegeben und muss mich nicht mal anstrengen, um eine Tanzpartnerin zu finden. Katha muss sich anstrengen, um die Traube aus klammernden Verehrern abzuschütteln. Das wird in Deutschland ein harter Aufprall auf den Boden der Tatsachen.

Samstag, 26. Oktober 2013

Nie wieder Schule!

27. 25.10.2013

Letzter Schultag. Süßigkeiten für alle (Kinder sind so leicht zu konditionieren!), kein Praktikumsbescheid für uns. Zumindest vorerst, er wird gemailt. Mit Touristenvisum dürfen wir keine unbezahlte Arbeit verrichten und eine solche Bestätigung sähe der zuständige Beamte der Ausreisebehörde als Einladung zur Erhebung eines Bestechungsgeldes.
Erwähnens- und Zeigenswert ist außerdem der Regenschauer epischen Ausmaßes, der unsere Mittagspause um eine Stunde verlängert hat, weil wir nicht mehr aus der Stadt zur Schule kamen. Kanalisation sind hier die Straßengräben, das mag ineffizient und hygienisch bedenklich sein (erst recht, wenn man sich, wie neulich ein nackter Mann neben der Hauptstraße, mit dem Wasser wäscht), in jedem Fall hat es die besseren Schauwerte. Besonders spektakulär ist, wenn die gesamte Straße als Fluss fungiert, weil beispielsweise der Abwassergraben rechter Hand überläuft. Komischerweise wird, egal wie viel davon auf den Teerbelag fällt, das Wasser nie klar, sondern behält stets die lehmbraune Farbe bei. Die Schuhputzer freuts.

Freitag, 25. Oktober 2013

Außerschulische Aktivitäten

26. 24.10.2013

Haben wir Frechdachse einfach den vorletzten Tag in der Schule geschwänzt. Dort hätten auf uns 7 Stunden gähnende Langeweile beim Schülern beim Klausuren schreiben zuschauen auf uns gewartet. Da die Zeiten für die Klausuren fast schon beleidigend überzogen sind, langweilen sich auch diese nach etwa der Hälfte der angesetzten 2 - 3 Stunden. Wem etwas langweiligeres als anderen beim sich langweilen zusehen einfällt, kann das in den Kommentaren melden.
Wir jedenfalls trennen uns morgens, Katha geht in die Stadt, um sich Dreads (ja, Dreadlocks) machen zu lassen, ich fahre mit Simon und Magdaline gen Westen, bis knapp vor die Grenze zu Uganda. Während Katha geschmeidige sechs Stunden umfrisiert wird und die dabei verwendeten Extensions das Gesamtgewicht ihres Kopfes locker verdoppeln, lerne ich Jim, Sohn von Simon und Magdaline, in seinem Internat zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt kennen, Stichwort unartig. Aber das gehört zur Schulzeit wie hier Kühe auf die unbeleuchtete Straße nach Einbruch der Dunkelheit. Die Eltern nehmen die Rüge mit Fassung und beweisen selbige auf dem Rückweg erneut, als Magdaline auf einem traditionellen Markt am Straßenrand Lebensmittel einkauft. 20 Sekunden nachdem wir angehalten haben ist der Wagen von Menschen umschlossen, die gegen Scheiben klopfen, durch Fenster greifen, Angebote reinrufen oder uns anstarren. Ich kriege eine ungefähre Vorstellung davon, wie sich die Leute fühlen, die in schlechten Filmen mit dem Auto in der Zombiemasse stecken bleiben. Trotz dessen und trotz der allabendlichen Rush Hour Hölle komme ich um sieben nach Hause, wo sich Katha irgendwie verändert hat und ich feststelle, dass eine unserer Gastschwestern richtig guten Musikgeschmack jenseits von Dancehall und Ragga hat.

Mittwoch, 23. Oktober 2013

Drei auf einen Streich

23. 21.10.2013

Geprägt von Altbekanntem. Bis 17 Uhr lesen, Karten schreiben und Planen. Dann, Highlight des Tages, Abendessen bei Simon, Liz, John und, zur Zeit wieder in Kenia, Magdaline. Nach Ziege, Ugali, Kohl und Japati helfen wir Liz beim Studium finden in Deutschland und. Das wars. Kann ganz schön normal sein hier.

24. 22.10.2013

Aufstehen, Frühstück, Schule, Lesen, Schule, Kishuaheli, Joggen, Essen, miserables Fernsehprogramm (mexikanische Endlostelenovela "Abismo del pasión"), Vorlesen, Skypen, Tagebuch, Schlafen.

Naja gut, der Direktor hat uns seine (interessante) Lebensgeschichte erzählt. Ein wenig verwundert war ich, als er, ein Sikh aus Punjab, von den günstigen Preisen für Bier im Kenia der 70er Jahre erzählt hat. Täusche ich mich oder ist Alkohol nicht kategorisch verboten in dieser Religionsgemeinschaft?

25. 23.10.2013

Die Schüler schreiben mal wieder Examen, wir haben also nichts zu tun. Ab der Mittagspause gehen wir in die Stadt, ich verschicke Post in die Heimat (80ct und damit 22 mehr als innerdeutsche Briefe), wir informieren uns wegen der geplanten Mt. Kenia (fast)Besteigung und treffen G., den Bruder von Robert, den ich in einem Club über David, einen Freund von Liz, kennengelernt habe. Dieser G. jedenfalls ist zuständig für Westkenia beim KWS, der staatlichen Nationalparkverwaltung und kann uns womöglich doch die ersehnten Rabatte auf die Eintrittsgebühren verschaffen. Eintrittspreise für Nationalparks sind hier der eine Faktor, der ein gut kalkuliertes Budget in ein paar Tagen zunichte machen kann. Die bekannten Parks kosten gut und gerne 50€/Tag, natürlich nur für Ausländer. Wenn die Europäer nicht im Geld schwämmen, kämen sie doch auch nicht in Flugzeugen aus 5000km Entfernung, um ein paar blöde Tiere aus einem Auto anzuglotzen. Ist zwar ein wenig pauschalisierend, diese Logik, aber verübeln kann man sie den Leuten hier nicht. Wir hoffen jedenfalls, uns anderweitig durchmogeln zu können.

Montag, 21. Oktober 2013

Frauen- und mehr Bilder

22. 20.10.2013

Weil mein Gottesdienst ungerechtfertigterweise später als ihrer beginnt , beschwere ich mich über das einströmende Licht, als Katha um sieben Uhr die Badezimmertür öffnet. So zumindest ihre Version des Morgens.

Der 9:30 Uhr Gottesdienst ist etwas kurzweiliger als der um 11, aber um mich herum sitzen trotzdem viele an ihren Handys, vorzugsweise in frommer Bethaltung, Kopf gesenkt. Ich bin ja auch vor allem wegen Liz da, die mich nach dem Gottesdienst begrüßt, ohne dass ich es merke, weil sie von geflochtenen Dreads auf mittellange geglättete Haare mit Strähnen umgestiegen ist (und weil ich Schwarze generell schwerer auseinanderhalten kann. Ist aber nicht schlimm, geht ihnen genauso, bei jedem Bild das ich jemandem von meinem Freundeskreis zeige, wird gefragt, ob ich das sei). Zusammen mit ihr und David holen wir Katha ab, die mit Perpetual trotz deren Malaria in einer anderen Kirche ist, und fahren nach Iten auf 2400m über NN. Hier trainiert zum unter anderem Kipsang, der in Berlin vor kurzem den neuen Weltrekord im Marathon aufgestellt hat. Bei der Straße dorthin ist Laufen wirklich die vernünftigere Option. Wir genießen die phänomenale Aussicht von dort auf ein weiteres, tiefer liegendes Plateau sowie ein Getränk pro Person. Die Essenspreise wurden von den blöden weißen Touris gentrifiziert. Mit der schönsten Freude, der Vorfreude nämlich, holpern wir zurück nach Eldoret und gehen in das Restaurant, von dessen Chicken Masala ich bereits an anderer Stelle geschwärmt habe. Auch diesmal richtig gut und billig (5,80€ für Getränk, Suppe und Hauptgang). Interessant wird es, als wir das Thema auf das Verhältnis zwischen Mann und Frau in einer Beziehung bringen. Schnell entwickelt sich eine Debatte, da David noch einige traditionelle Ansichten hat (Mann=Versorger / Frau=Haushalt), während Liz vollkommen unserer Meinung im Bezug auf Gleichberechtigung ist. Ein bisschen Leid getan hat er mir in der Situation schon, zumal er schlecht für seine Position argumentieren konnte (so rein objektiv gibt es nicht allzu viel, was gegen Gleichstellung spricht).

Sonntag, 20. Oktober 2013

Sicherheitshinwas?

21. 19.10.2013

Dabei fängt alles so gewöhnlich an. Keine Stunde dauert es, bis ich am Schalter nicht nur meine Karte zurückbekomme, sondern sogar Geld abheben kann. Und nur zwei Stunden später als geplant kommen wir am Campus der Moi University an, treffen Nyabuto und gehen zu den Waterfalls, von denen wir schon so viel gehört haben. Mitten in einem flach wirkenden Hochplateau mit Busch- und Grasbewuchs sowie ein paar Akazien (die Bäume, bei denen man sofort "oh, Afrika!" denkt) steht man plötzlich vor einem tosenden Abgrund. Aber in solchen Fällen lässt man besser Bilder sprechen. Jedenfalls kommen wir begeistert nach Eldoret zurück, nach dem obligatorischen Hausbesuch bei Nyabuto natürlich, um uns, 10 Minuten duschen und umziehen später, wieder auf den Weg in die Stadt zu machen. Diesmal treffen wir Ken, 32, Familienvater, Lauftrainer (Halbmarathon in 65 Minuten!), arbeitslos, Glücksritter. Er hatte mich bereits in der Vorwoche zum Nyuma Choma eingeladen. Das ist sowas wie Hardcore Barbecue, wobei das Fleisch im Kilopack von der stolz im Schaufenster präsentierten Ziegenhälfte geschnitten und in einen Wok voller Fett geschmissen wird. Dann wird es rausgeholt, geschnitten, gesalzen und - gegessen. Nix Soße oder Marinade, nur du und das Fleisch. Dazu gibt es Ugali und eine Alibiportion Tomatensalat. Wobei man letzteren nicht essen sollte, vor allem nicht, nachdem man die Küche gesehen hat. Haben wir trotzdem, die nächsten Tage werden zeigen, ob wir es bereuen. Das Sicherheitsvorkehrungen über Bord schmeißen machte uns so viel Spaß, dass wir bei Dunkelheit durch die gesamte Innenstadt liefen, um uns mit Perpetual zu treffen. Das ist nicht wirklich gefährlich, für Überfälle ist im Zentrum zu viel los. Aber gegen eine kenianische Stadt zur abendlichen Rush Hour ist das Oktoberfest ein meditatives Erlebnis. Während ein Kleinbus meine Schulter streift werde ich von drei Taxifahrern gleichzeitig vollgeschwafelt, komme aber nicht weiter, weil vor mir gerade ein TukTuk einparkt. All das unterlegt mit dem allgegenwärtigen Abgas-Staub-Gemisch in der Luft. Nachdem wir uns endlich gefunden haben (an dieser Stelle möchte ich noch erwähnen, dass der Kontakt mit Perpetual über Katha zu Stande kam, als diese Leute nach dem Weg zum Internetcafé gefragt hat) gehen wir einkaufen, um auf altgermanische Weise vorzuglühen. 0,5 Liter Bier kosten ~1,30€, dieselbe Menge Wodka ~1,80€. Das bringt den Biertrinker mit dem Geizhals in mir in Konflikt. Zum Trinken kommen wir aber gar nicht, denn zuerst stellt sich heraus, dass Perpetual zur Zeit Malaria hat (ist für die Einheimischen sowas wie für uns eine Grippe) und dann, dass die Wohnung, zu der sie uns mitnimmt (auch gut: In einem Vorort ohne Straßenbeleuchtung nach Hause laufen) kein Studentenappartment, sondern die Unterkunft ihrer Familie ist. Die freut sich, uns kennen zu lernen und klar, wir kriegen was zu essen. Überwältigende Gastfreundschaft trifft auf gefüllte Mägen, aber ein Japati geht immer. Um 21:30 stellen wir fest, dass keine Matatus mehr fahren und nehmen stattdessen zuzweitohnehelmebeidunkelheitundregen ein Motorbike für erschwingliche 1,80€, die der Fahrer, sobald er die zwei Weißen für sich hat, natürlich zur Disposition stellt. Zwecklos, vor allem Katha ist mittlerweile richtig gut im Verhandeln und hart bleiben (ich hätte dem armen Mann, der uns zu verarschen versucht hat, gutgläubig noch 20ct gegeben).

Samstag, 19. Oktober 2013

Nieder mit dem Kapitalismus

20. 18.10.2013

Hier gibt es in der Schule Terms, also Dritteljahre, und Ferien nur dazwischen. Es hat sich aber eingebürgert, in der Mitte des Terms ein paar Tage frei zu geben, in unserem Fall verlängert sich das Wochenende um Freitag und Montag.
Nach einem laaangen, gemütlichen Vormittag treffen Katha, Liz, David und ich uns in der Stadt zum Shoppen. Das geht hier ebenso gut wie in einem Einkaufscenter in Dresden Altstadt, nur zu einem Bruchteil des Preises und inklusive echter Feilscherei.
Liz ist die Tochter von Magdaline. Magdaline ist der Grund, warum wir hier (und nicht irgendwo sonst in Afrika) sind. Sie macht ihren PhD in Bayreuth und hat uns Unterkunft wie auch Praktikum verschafft. David wiederum ist ein Freund von Liz.
Zuerst brauche ich jedoch Geld. Für Kreditkarten wird die international tätige Barclays Bank empfohlen. Deren Automat gibt mir kein Geld aus, behält dafür aber, nach sage und schreibe einer halben Stunde "Please Wait" meine Karte ein. Am Schalter teilt man mir mit, dass aus Sicherheitsgründen eine Ausgabe der Karte gegen Vorlage des Passes frühestens am darauffolgenden Tag erfolgen könne. Aber nachdem sich die Schalterfrau für die Unannehmlichkeiten entschuldigt hat, ist alles wieder in Butter, wer braucht schon Geld.
Nach erledigten Einkäufen - ein paar Hundert Schillings sind noch übrig - verabreden wir uns für den Abend mit David.
Dieser holt uns schließlich sogar ab und fährt uns heim. Dazwischen sind wir in einem Club, der dem letzten sehr ähnelt, nur das die Gäste noch deutlich älter sind. Am verwegenen Tanzstil ändert das allerdings nichts, außerdem werden wir aus uns unerfindlichen Gründen sowieso immer um die 25 Jahre geschätzt. Katha ist nicht begeistert von Männern in der Mitte ihres Lebens, lässt sich aber schlussendlich doch noch zu einem Tanz (europäischer Art) hinreißen, ich ziehe mit. Und so endet der freie Freitag.

PS: Falls ihr euch wundert, der Donnerstag war so unspektakulär,  dass er keine Erwähnung verdient. Wenn sich jemand allerdings für die Entwicklung meiner Laufgeschwindigkeiten interessiert, kann ich ihm gerne persönlich schreiben.

Mittwoch, 16. Oktober 2013

Ewige 68er

18. 16.10.2013

Aber heute. Katha unterrichtet lieber, ich gehe mit Lilly und John zum Hauptcampus der Moi University. Auch staatliche Universitäten sind hier unternehmerisch aufgebaut und konkurrieren miteinander, bei Studiengebühren zwischen 1000 und 2500 Euro pro Semester ist jeder Student bares Geld wert. Deswegen hat die Moi University wie ein echter Konzern Zweigniederlassungen bzw. Campus in diversen kenianischen Städten. Die Zentrale mit Verwaltungssitz und etwa 15 000 Studenten liegt aber 30km fernab der nächsten Stadt im Nirgendwo zwischen Feldern und Plantagen.
Diese Lage ist dem Umstand geschuldet, dass Kenias Studenten ein recht rebellisches Völkchen sind. Unruhen wie bei uns in den 60ern gibt es jährlich, mitunter sogar politisch motiviert, häufig aber sind ausgeartete Kneipenschlägereien oder Stromausfälle der Grund. Weil es auf dem platten Land weniger Schaufenster zum Einschmeißen, Autos zum Anzünden und Straßen zum Blockieren gibt, entstand die zweitgrößte Uni des Landes schließlich dort.
Wir trinken Tee im ehemaligen Haus des stellvertretenden Vorsitzenden (er ist vor Jahren umgezogen, weil die Studenten jedesmal wenn sie in Aufstandsstimmung waren ins Haus eingebrochen sind und ihn mitgeschleppt haben) und ich lerne Nyabuto kennen, der mich für Samstag Wandern einlädt. Ich kann gar nicht oft genug erwähnen, wie schnell man hier Leute kennenlernt. Jedenfalls ist auch dieses verlängerte Wochenende (Freitag bis Montag) bereits restlos verplant.

Zusammenfassend

17. 14.10.2013

Da nach zwei Wochen Nine to Five Job in derselben Umgebung selbst eine so andere Kultur alltäglich wird, werde ich, zumindest bis wir Eldoret und die Schule (wo wir unterrichten, falls irgendjemand hinter dem Mond lebt) in weiteren zwei Wochen verlassen werden, in Mehrtagesabständen schreiben.

Meine Klasse lernt jetzt Französisch bei mir. Genauso könnte ein Legastheniker Kommasetzung unterrichten. Aber Spaß haben alle und darum geht es ja im Leben.

Nachmittags stelle ich fest, dass die ach so tollen, weiten Landschaften zumindest beim Joggen frustrierend sind. Dazu kommt, dass es seit einigen Tagen nicht mehr geregnet hat und dementsprechend jeder vorbeifahrende Wagen einen Staubschleier sowie einen feinen Film aus Erde auf der Zunge hinterlässt.

15.10.2013

Der Tag beginnt schlecht, mit einer SMS unseres Gastvaters John, die verkündet, dass wir heute nicht zum Campus der ortsansässigen Universität, sondern regulär in die Schule gehen werden. Kompensiert wird das nach Schulschluss mit einer Sahnetorte und Milchshake in einem Coffeeshop für unerhörte 4€. Mehr Verwestlichung ist in dieser Stadt nicht drin.
Das Abendessen ist dafür kenianische Küche in Reinform: Nyuma Choma ist viel Fleisch mit wenig Extras und Ugali als Beilage. Afrikanische Küche wird grundsätzlich mit den Fingern gegessen, egal ob Straßenimbiss oder vornehmes Restaurant. Fleisch isst, wer es sich leisten kann und Vegetarier sollten sich auf Kultur oder Religion berufen, da Verzicht auf Fleisch um seiner selbst Willen wahrscheinlich auf Unverständnis stoßen wird. In etwa, als würde man in einer Bretterbude leben, obwohl man das Geld für ein Appartment hätte. Das Fleisch wird dafür aber auch aufgegessen. Das heißt alles, wirklich alles, was kau- oder schluckbar ist und nicht zum Erstickungstod führen kann, wird gegessen. Bei Afrikanern bleibt am Ende ein Häufchen blanker Knochen oder ein perfekt abgenagtes Fischskelett übrig. Und ich bin ganz froh, wenn ich erst danach erfahre, dass ich gerade Ziege oder bis dato für ungenießbar gehaltene Teile eines Huhns zu mir genommen habe.

Montag, 14. Oktober 2013

Typografie











Simon, der Haushälter, in seinem Wohn- und Schlafzimmer
Lilly mit Enkelkindern
John mit Enkelkind
Ein Tourist wird bedrängt


Landleben

16. 13.10.2013

Uns wurde berichtet, dass, egal wie lang und vernebelt die Nacht zuvor war, man am Sonntag in die Kirche ginge. Und um ein Haar hätten wir das auch getan. Letztendlich waren wir aber doch zwei Minuten zu spät,  um bei Lilly mitfahren zu können, was sich im Nachhinein als Glücksfall erwies, da diese nach dem Gottesdienst noch weitere 5 Stunden auf dem Kirchengelände zubrachte. So ver(sch)lief dieser Sonntag wie bereits der letzte: Lesen, Musik, Unterhalten und neu, Kishuaheli. Gegen Abend dann doch noch ein Kurztrip zur hauseigenen Farm, die ein paar dem Auto alles abverlangende Kilometer außerhalb liegt und von deren Existenz wir bis dato gar nichts wussten. Dort wohnt eine Art Haushälter in einer Steinhäuschen ohne Strom und Wasser. Das Ganze erinnert an die interaktiven historischen Museen mit Nachbauten von Wohnungen aus vorherigen Jahrhunderten. Jedenfalls kümmert dieser Herr sich um den dort wachsenden Mais, die Bananen und den Eukalyptus. Das ursprüngliche, sehr viel luxuriösere Landhaus wurde 2007 bei den after-election riots niedergebrannt, sowie die nächstgelegene Kirche, auf deren Gelände einige Kreuze an die Opfer des sakralen Scheiterhaufens erinnern. 130 schätzt man, waren in dem brennenden Gotteshaus gefangen, insgesamt kamen damals ca. 1500 Menschen ums Leben, viele Hunderttausend verloren ihre Heimat. Der Grund war, wie so oft, die Politisierung von Zugehörigkeiten, in diesem Fall zu Stämmen, durch Politiker, denen es dabei alleine um Macht ging. Dieselben Politiker, die zur Zeit das Land führen und alles dafür tun, nicht vor den ICC kommen zu müssen.

Viel zu tun

14. 12.10.2013

Volles Programm! Nach ausgiebigem Schlaf treffen wir uns in der Stadt mit Perpetual (die Leute hier mögen englische Wörter scheinbar, einen Friday habe ich auch schon getroffen) und einer Freundin von ihr. Zusammen fahren wir zur Nabiri Campsite, 30 Minuten mit dem Matatu, einer Tourianlage mit Schwimmbad. Wir verstehen uns auf Anhieb super und es fühlt sich um einiges besser an, zusammen mit zwei Einheimischen dort zu sein, als wie die anderen Touris in einer abgeschotteten Welt ohne Bezug zum Land zu leben. Wir verabreden uns für den späteren Abend zu gemeinsamen Clubbing. Vorher allerdings sind wir zum Dinner bei Edwin eingeladen, einem Dozenten für Elektrotechnik, der sechs Jahre in Kassel studiert hat und beinahe perfektes Deutsch spricht. In einer Villa, wie sie auch in einem Suburb LAs stehen könnte verbringen wir den Abend bei Fisch, Ziegenfleisch und gemischtsprachigen Unterhaltungen über Deutschland und Kenya. Im Gegensatz zu vielen anderen Menschen hier, auch mit höherer Bildung, hat Edwin eine ziemlich europäische Denkweise. Soll heißen: Kaum Fatalismus, keine Verschwörungstheorien, kein Moralisieren, sehr rational. Also ein echt angenehmer Gesprächspartner. Mit Kenianern kommt man für gewöhnlich sehr schnell auf Politik, erst recht  seit den Wahlen und der neuen, förderalistischen Verfassung. Hier ist Politik allerdings auch unterhaltsamer, vorausgesetzt, man hat ausreichend schwarzen Humor. Und den haben die Meisten! An genau den Stellen, wo man als Gast ein nachdenkliches Kopfschütteln für angebracht hält, fangen alle anderen plötzlich zu lachen an. "Die Regierung ist daran interessiert, dass es ethnische Konflikte gibt, weil das Gewaltanwendung legitimiert" - Brüller. "In unserem Land gibt es keine echte Demokratie, weil die Menschen nach Stammesangehörigkeit und nicht nach politischer Ansicht wählen.", ein weiterer Klassiker des Humors. Zur Zeit versucht Kenia übrigens, die afrikanischen Staaten zum Austritt aus dem ICC zu überzeugen, weil dieser bisher fast ausschließlich afrikanische (Kriegs-)Verbrecher verurteilt hat. Es könnte aber auch damit zu tun haben, dass dem neu gewählten Präsidenten und seinem Vertreter dort der Prozess wegen Aufhetzung und Anstiftung zum Massenmord gemacht wird. Ein weiteres Thema ist ein Senator von Nairobi, der aussieht wie P. Diddy, aber noch mehr Bling Bling trägt und sich länger schon dem Verdacht erwehren muss, er besitze Cannabisplantagen im Tropenwaldgürtel um das Mt. Kenia Massiv.
Nachdem Nummern und Adressen ausgetauscht sind und man sicher in Kontakt bleiben wird (nach Deutschland wurde die Familie bereits eingeladen), fährt Edwin uns schließlich in die Stadt zu besagtem Club, "Samba" der Name. In den Clubs hier läuft eine Mischung aus Reggeaton, Dancehall, Mainstream und gepimpten Volksliedern. Klingt nach einem Albtraum. Aber irgendwie haben es Perpetual und ihre Freundin Caroline geschafft, auch einen Musiknazi wie mich zum Tanzen zu bringen, was einen wunderbar lächerlichen Kontrast bildete, da alle anderen Anwesenden beim Tanzen aussehen wie gerade aus dem Beyonce Musikvideo entlaufen. Generell ist die Stimmung ausgelassener, die Musik fröhlicher und Grüppchenbildung à la Rosi gibt es auf der Tanzfläche nicht. Die Situation als Weißer hier ist vergleichbar vielleicht mit der einer attraktiven Frau in Deutschland. Fotos, tanzen, ich kriege sogar was ausgegeben. Allerdings habe ich Glück, der Club ist nicht touristisch, ansonsten würde es von Prostituierten auf der Suche nach zahlungskräftigen (=weißen) Kunden nur so wimmeln. Achja, Tanzen. Während öffentliches Küssen selbst im Nachtleben anzüglich ist, ist der Tanzstil zwischen den Geschlechtern... Bei uns wäre dieser Tanz mit einem/einer anderen jedenfalls das Ende einer Beziehung. Von Katha will ich erst gar nicht anfangen, nur soviel: Ihre große Liebe hat sie gefunden, sie aber ihre große Liebe nicht. Dieser Text wird viel zu lange und ich bin mir sicher, dass die Details der Nacht sowieso niemanden interessieren.
Gute Nacht!


Foto(von links nach rechts): Caroline, Katha, Perpetual, Linus 



Weiß? Nice!

13. 11.10.2013

Ein Schultag wie jeder andere, zumindest bis 3 Uhr. Da findet in der Schule ein Meeting mit der Eltern der Kinder der Vorschule statt. Ein Meeting ist hier alles, bei dem zwei oder mehr Menschen aus nicht rein privaten Gründen zu einem (theoretisch) festgelegten Zeitpunkt aufeinandertreffen. Dieses hat vornehmlich zum Zweck, den Eltern die Entscheidungsfindung bezüglich der zu wählenden Grundschule zu erleichtern und beginnt mit halbherzigen 45 Minuten Verspätung. Eigentlich traurig, dass ausgerechnet zwei Weiße aus Europa von der Qualität der Schule überzeugen sollen, und das durch ihre bloße Anwesenheit. Mehr als 3 Sätze sprechen wir nicht. Na gut, Katha betet noch ein paar mehr und hilft mir aus einer ziemlich peinlichen Situation, als ich ohne Vorbereitung das Wort für das einleitende Dankesgebet übertragen bekomme. Ich glaube (und hoffe), dass unsere Präsenz die Meinung der Eltern jedoch nicht groß beeinflusst bzw. getrübt hat.

Endlich Wochenende!

PS: Anbei das Foto,  dass ich meiner Bewerbung beilegen werde, sollte ich mich noch in Richtung Sozialpädagogik umorientieren.

Erläuterungen zum afrikanischen Dreck

12. 10.10.2013

Unser Versuch den Schulbus, also das Schulmatatu zu nutzen scheitert an schlechtem Zeitmanagement. Fünf Minuten zu spät aus dem Haus verpassen wir das tatsächlich pünktliche Matatu, können dafür aber ein wenig den Bussen und Lkws beim Voranrutschen zusehen und beschließen, ab morgen wieder später aufzustehen. Der Schlamm hier ist nicht vergleichbar mit unserem. Durch den Lehmanteil bleibt er nicht nur überall haften, er besitzt auch eine sehr viel kräftigere Dreckfarbe. Da die Kenianer großen Wert auf Äußeres legen, machen die Schuhputzer hier ein Bombengeschäft.

Daily grind

11. 09.10.2013

Wenig Neues zu berichten. Stattdessen der Zeitplan eines für diesen Monat typischen Tages:

(optional Linus:
6:00 Aufstehen / 40 Minuten joggen)
7:00 Erster Wecker
7:20 Aufstehen / Frühstück = Müsli, Omelette, Toast
8:20 Schule
- 15:00 Herumsitzen, Unterhalten, Aufgaben stellen, Korrigieren, Essen, Tee trinken.
15:30 neu: Kishuali lernen / Deutsch beibringen
16:30 Gym / Nach Hause gehen
- 19:00 Lesen / Joggen / Trash im Fernsehen schauen / Tee trinken
19:00 Abendessen
20:00 (Vor)Lesen
22:00 Schlafen (Katha) / sich beschäftigen (Linus)
23:15 Schlafen (Linus)

Das Foto hat keinerlei bebildernden Zweck und dient der Aufhübschung, wurde aber immerhin hier geschossen.

Wer braucht schon Teerstraßen?

11. 08.10.2013

Weil sie ungerechtfertigterweise die ersten drei Schulstunden aussetzen darf, beschwert sich Katha über das einströmende Licht, als ich um sieben Uhr die Badezimmertür öffne. Ich widme dem Frühstück, das grundsätzlich aus Toast, Cornflakes, Früchten und einem optionalen Omelette besteht.
In der Schule bin ich erneut begeistert von meiner Klasse und ein wenig betroffen, wie wenig ihr Potential gefördert wird. In Deutschland würde man vernachlässigen sagen, hier ist es Teil der Kultur. Bevor behauptet wird, ich als Europäer hätte keine Ahnung von der Kultur hier - die Kenianer sagen dasselbe. Dann fehlen eben mal die Hälfte der Fachlehrer, man kann die Kinder doch auch drei Stunden mit sich alleine lassen. Klingt für uns zynisch,  ist aber nicht einmal böse gemeint.
Während das Wetter bisher unbeständig,  aber dominiert von Sonnenschein war, bin ich heute das erste Mal nach längerem Regen gejoggt, auf einer Route, die ich zuvor via GoogleMaps erspäht habe. Kleinere Wege sind entweder schlicküberzogen und rutschig, Schlammlöcher oder Flüsse,  während man auf den ungeteerten Hauptstraßen Zeuge einer so unbeholfenen wie majestätischen Prozession wird: Durch fehlende Verfestigung des Bodens beim Bau haben die Straßen hier einen Querschnitt in Halbkreisform. Um nicht abzurutschen, nimmt bei Regen eine etwa 3km/h schnelle (mein voller Ernst!) Lkw-Karawane die Straßenmitte für sich in Anspruch,  während beiderseits Autos und Matatus etwa 30º gen Schräge geneigt und mit ein bis zwei Reifen im wassergefüllten Straßengraben vorbeischlingern (oder auch mal liegen bleiben).

Wow sind die schnell!

9. 06.10.2013

Half marathon starting time: 7am
Soviel zur Theorie auf den Plakaten. Also richtet sich der Schüler / Student, dem Uhrzeiten wie diese sonst nur aus überlangen Nächten bekannt sind, um 6 Uhr an einem Sonntag (!) auf, stopft die Signale seines Magens ignorierend Cornflakes und Banane in sich hinein, fährt in der frühmorgendlichen Arschkälte auf einem Motorbike in Shorts zum Startpunkt in der Stadt und erreicht diesen schließlich pünktlich. Nicht einmal vier Stunden später, um 10:45 nämlich fällt in der unbarmherzigen Äquator-Mittagssonne der Startschuss für den Halbmarathon der Männer - 7 Runden à 3km, wie in CrossCountry Zeiten. Natürlich habe ich das Feld stärker als bei einem europäischen Funlauf eingeschätzt,  aber was sich mir da bietet, übertrifft alle Erwartungen.  Innerhalb einer Minute bin ich mit abstand Letzter des ca. 500 Mann starken Feldes. Zwei Plätze mache ich noch gut und habe am Ende immerhin den ersten Platz unter den wazungus, schließlich bin ich der einzige und habe aus diesem Grund auch so viel Aufmerksamkeit sicher wie sonst nur die vordersten Plätze. Jeder grüßt den verrückten Weißen, der trotz mangelndem Talent mitgelaufen ist. Die Reaktionen der Zuschauer reichen von Anfeuern bis Belustigung,  Häme ist nur ganz selten zu spüren. Und die gesamte 2. Hälfte der Strecke begleitet und unterstützt mich ein Mitmensch (hier "Schwarzer" zu schreiben wäre so charakteristisch wie in Deutschland "Weißer"), dessen Kontakt ich leider nicht habe, im Gegensatz zu vielen anderen, aber dazu ein andermal. Den restlichen Tag verbringe ich zusammen mit Katha hervorragend mit Herumliegen, durch die Höhe und wahrscheinlich auch die Sonne haben die 21km heute noch mehr geschlaucht als sonst.

Über Handynummern

10. 07.10.2013

Nach einer halbstündigen TukTuk Fahrt mit Umweg über das Stadtzentrum, bei der ich gerne an ein Leben nach dem Tod geglaubt hätte, stehe ich vor meiner neuen Klasse. Eine fünfte ist es, und so brav, neugierig und selbstständig, dass ich zuerst eine Hinterlist vermute. Doch tatsächlich scheint es sich einfach um Musterschüler zu handeln. Im Gym nach der Schule lerne ich den Fitnesstrainer kennen und bekomme seine Handynummer. An dieser Stelle ein kleiner Exkurs: Hier ist die private Handynummer nichts, was nur einem ausgewählten Kreis aus Freunden und Familie zusteht, sondern wird nach dem Motto "vielleicht ergibt sich ja noch was" jedem aufgeschrieben, mit dem man über ein "how are you?" hinausgekommen ist. Bedingt durch die Offenheit, Kontaktfreude und Neugier der Menschen hier füllen sich entsprechend unsere Kontaktspeicher und Terminkalender. 
Das Abendessen haben wir heute bei Simon genossen und dabei mit seiner Tochter endlich jemanden gefunden,  der mit uns Suaheli im Austausch für Deutsch lernen möchte.

Und wie häufig missbrauchen Sie Ihr Kind?

German Schnitzel

8. 05.10.2013

Nach sehr viel Schlaf und einem sehr gemächlichen Vormittag schaffen wir es doch noch in die Stadt, Katha zum (dummerweise geschlossenen) Gym = Fitnessstudio und Internetcafé, ich zum Sirikwa Hotel, wo man für 200 KSh baden kann. Als einzig Anwesender mit sonderbar heller Haut ist mir Neugier sicher, nach 40 Minuten muss ich aber schon wieder los, mit Kemunto und Katha für das selbst gekochte, deutsche Abendessen einkaufen, Schnitzel mit Champignonsoße und Rösti. Unglaublich - alles gelingt. Und hinter der Fassade aus Höflichkeit vermute ich bei unserer Gastfamilie zu mindestens 80% ernst gemeinte Komplimente (besonders bei John, der uns einige Male erzählte,  sein Spirit sei in Deutschland). Anstatt etwas vernünftiges zu tun und strukturiert Kishuaheli zu lernen, haben Katha und ich uns dazu entschlossen, uns wie in alten Zeiten ein Buch vorzulesen (also damals nicht wir - kennen uns schließlich erst seit knapp zwei Jahren). Familienurlaubsstimmung im Subsahara-Afrika.

African Way

7. 04.10.2013

In der Tat ist die 2. Klasse putziger und nicht so aufmüpfig wie die 3. Abgesehen davon ist ihre Lehrerin, Yvonne (die Katha bereits zu Hause besucht hat), extrem neu- und wissbegierig. Während die Schüler Aufgaben aller Art bearbeiten, gehen wir, eigentlich eher sie, meine gesamte Fotogalerie durch, ich erzähle ihr von Deutschland und höre einmal mehr, dass das Land,  von dem ich gerade Urlaub nehme das Paradies auf Erden sei. Und ganz Unrecht haben sie ja nicht,  hier merkt man wieder, auf welchem Niveau wir herumjammern. Unangenehm wird es bei den Finanzen: Wie erklärt man einem Lehrer mit einem Tagessatz um 4€, dass man etwa das Doppelte in Deutschland mit unqualifizierter Arbeit pro Stunde verdient hat (und bleibt gleichzeitig ehrlich)? Generell verstehen wir uns übrigens ausgezeichnet mit dem Kollegium und der Umkehrschluss gilt genauso.
Beim Vorbereitungsjoggen für Sonntag ist mir erneut aufgefallen,  wie offen und kontaktfreudig die Leute hier im Vergleich zu Deutschland sind. Ein Paar um die dreißig in Arbeitsaufzug rennt plötzlich neben mir und wer mich schon nicht grüßt,  freut sich dafür umso mehr, wenn ich selbiges tue. Um an dieser Stelle endlich mal etwas literarisch Vollwertiges jenseits der Erlebniserzählung festzuhalten: Je existenzieller die Lebensumstände, desto existenzbejahender die Lebensart.
So würde ich das nach meinen armseligen Entwicklungsländereindrücken ausdrücken.

Gar kein Ding.

06. 03.10.2013

Endlich normaler Unterricht!  Unter der Anwesenheit der Lehrerin, deren Namen ich immer noch nicht weiß, ist die Klasse äußerst artig. Ich gebe Mathe, Englisch und erzähle zum Schluss noch ein wenig von Deutschland. Für Morgen ist abgemacht, dass Katha und ich Klassen tauschen (damit sie sieht, wie gut sie es mit ihren süßen Zweitklässlern hat). An den kürzer werdenden Texten merkt man, langsam wird alles alltäglicher. Immerhin gab es heute zum ersten Mal Fisch. Hier wird er erst frittiert und dann gekocht. Was komisch klingt, schmeckt in der Praxis butterweich-hervorragend. Das einzige, was zur Zeit noch fehlt, ist ein Konzept zum Kishuaheli lernen.

Sonntag, 13. Oktober 2013

Keuchen mit den Profis

5. 02.10.2013

Aufstehen um kurz vor sechs? Ein echter Sportler quält sich und so steige ich aus dem Bett in meine Laufschuhe und treffe Ken und Japhet, ein Lauftrainer und den Gewinner des Tokyo Marathons 2000irgendwas. Nach 12 Minuten verabschiede ich mich freundlich, viel mehr kriege ich auch nicht mehr hin. Zurück erneut ins Bett,  bis schließlich die Schule ruft - wer hätte gedacht, dass sie das überhaupt nochmal tun würde... Die Einweisung in den ersten eigenen Unterricht verläuft folgendermaßen: Die Lehrerin schmeißt mir 120 Klausuren auf den Schreibtisch, verbunden mit der Anweisung: "Revise them with them." - Und geht. Die kleinen Biester nutzen den Umstand,  dass ich sie nicht schlage (fragt sich, wie lange noch) natürlich eiskalt aus, aber in einer Atmosphäre, in der etwas, wenn es nicht klappt, nicht verbissen weitergeführt,  sondern einfach sein gelassen wird, macht mir das erstaunlich wenig aus. Nach der Schule geht Katha neuerdings ins Fitnessstudio (sie isst auch Bananen),  ich laufe im tropischen Regen nach Hause und fühle mich den bei 20 Grad im Pulli frierenden Kenianern doch ein wenig überlegen.

Freigang

4. 01.10.2013

2. Schultag, der gar keiner ist. Da alle Schüler weiterhin Examen schreiben,  werden wir nicht gebraucht. Also: Ausschlafen, lange frühstücken und in die Stadt, wo ich mich langsam zu orientieren beginne. Zuerst melde ich mich für den Eldoret Halbmarathon am Sonntag an, dann wird die SIM-Karte registriert. In dieser Stadt gibt es zwar nicht mehr als fünf geteerte Straßen,  aber das mobile Internet ist hervorragend. Folglich kann ich jetzt nicht nur extrem günstig Kontakt nach Hause aufnehmen, sondern habe durch den Kindle auch Zugang zu über 100 000 Büchern sowie Zeitungen. Ein Hoch auf die Technik.
Nachdem mein letzter Inder in Prag bereits eine hohe Messlatte in Sachen Essen und Preis gesetzt hatte, wurde die hier locker übertroffen (bzw. unterboten) Für 5€ gab es ein Chicken Masala mit Japati, von dem ich jetzt noch träume. Und eine Kartoffel-Hühnchen-Suppe für mich und Katha (die nichts bestellt hatte) gratis dazu. Abends dann das erste Mal joggen, streckenweise mit einem Schuljungen und anfeuernden Afrikanern um mich. An das klassisch afrikanische Essen werde ich mich wohl weiter gewöhnen müssen,  nicht dass es ekelhaft wäre, aber es ist sehr eintönig und manchmal ein wenig penetrant.

Bak 2skool!!

3. 30.09.2013

Erster Schultag - als Lehrer. 15 Minuten Verspätung sind nicht weiter von Belang, weil der Direktor 30 hat. Wir erfahren, dass bis Mittwoch in allen Klassen ausschließlich Klausuren geschrieben werden, wir aber gerne dabei zusehen dürfen. Ich werde einer dritten Klasse zugewiesen, die nicht nur subjektiv die schlimmste ist. Allerdings nur während des Unterrichts, in den Pausen kann ich mich vor überschwänglichen, glücklichen Kindern, die mit mir spielen wollen, kaum retten. Auch das Kollegium ist nett, hilfsbereit und viele andere positive Adjektive. Nach der Schule gehen wir gemeinsam in die Stadt, besuchen einen bekannten Französischlehrer und enden in einem Nagelstudio bzw. mit einer von den Preisen kindlich begeisterten Katha. Während sie sich freut, stehe ich mit Yvonne, einer Lehrerin und mittlerweile Freundin von Katha, eine Stunde umsonst im Handyladen, weil ich als Ausländer ohne meinen Pass (im Original) keine SIM Karte kriege. Nach einer afrikanischen Heimfahrt im Dunklen im TukTuk das übliche abendliche Rahmenprogramm und weitere Überlegungen zwecks eines am Sonntag stattfindenden Marathons mit einigen Startern aus der Weltelite (Eldoret - Home of the Runners).

Wiedersehen

2. 28.09.2013

Neun Uhr aufstehen, elf Uhr Kirche. Dazwischen mal mehr, mal weniger verworrene Gespräche mit John und ein kaputtes Klo. Ich bin der einzige mzungu in der Kirche, was auch dem Kleinkind neben mir offensichtlich auffällt,  da es mich ununterbrochen anlangt und -guckt. Danach viel Smalltalk, mitunter sogar auf Deutsch! An das Essen muss ich mich zwar noch gewöhnen,  aber mein Teekonsum ist bereits kenianisch. Um neun kommt schließlich Katha an, die übers Wochenende in einer "rural area" war. Grundsätzlich glücklich mit einigen Einwänden im Detail erzählt sie von ihrem bisherigen Aufenthalt hier und ich bin froh jemanden zu haben bei dem ich ohne sprachliche, diplomatische und interkulturelle Erwägungen drauflosreden kann.

Sitzmarathon

1. 27. / 28.09.2013

10 Minuten nach meinem Abschied werde ich an der Sicherheitsschleuse rausgewunken. Mit dem Kindle in der Hand fragt mich ein junger Asiate, ob ich mit Drogen zu tun hätte. Ich frage mich, ob Jum mir etwas verschwiegen hat, während er einen Abstrich in eine Kiste schmeißt, die aussieht wie ein Großraumbürodrucker. "Positiv" "Nein!?" Nur ein Scherz des jungen Asiaten, verdachtsunabhängige Stichprobe nennt sich das. Netter Anfang jedenfalls.
Im Flugzeug lerne ich einen mitte 30-jährigen, bulligen Globetrotter kennen, der mich seelisch unterstützt,  als ich feststelle, dass ich die Hälfte der erforderlichen Angaben zur Kontaktperson in Kenia gar nicht habe. Recht hat er, abgesehen von den 50 $ interessiert die Einwanderungsbehörde nichts, auch nicht ein nur halb ausgefüllter Einreiseantrag. Je nach Laune nehmen sie den Einreisenden auch ihre Ausreiseformulare weg, was deren Sinn gleich null gehen lässt. Dem Zoll hätte ich auch Kokain deklarieren können, da die Formulare nur eingesammelt, aber nicht angeschaut werden. This is Africa! Nachdem das Hauptterminal abgebrannt ist, erfolgt die Abfertigung für Inlandsflüge jetzt in einer Lagerhalle und irgendwie ist man schon beeindruckt bei dem Gedanken, vor sich den größten Flughafen Ostafrikas zu haben. Der Sonnenaufgang war übrigens wie in den kitschigen Sonntagabendfilmen, mit denen das ZDF mit dem Tatort konkurriert.
Nach unendlich scheinenden 12 Stunden Wartezeit, die sich durch den Unterzucker und das erzwungene Nichtstun zu einer Krise ausweiten, fliege ich nochmal eine dreiviertel Stunde zum Eldoret Airport. Geniale Wolkenformationen und problemlose Weiterfahrt im Taxi bessern die Stimmung. Der Empfang ist bescheiden, nur eine Person. Diese dafür aber umso netter und kurz darauf kommt auch Lilly. Erstes afrikanisches Essen, wenn man von Chips am Airport absieht. Tolles Chicken, Ugali (gekochtes Maismehl, für den Kenianer, was die Kartoffel für den Deutschen, nur, dass es ausschließlich eine Zubereitungsart gibt), nur das Gemüse war gewöhnungsbedürftig. Dann sind Lillys drei "Kinder" und zwei Enkel, alles Mädchen, angekommen. Der Abend fiel kurz aber gesprächsintensiv aus, die Nacht zuvor hatte ich ja höchstens zwei Stunden Schlaf. Morgen, wie es sich für einen guten Christen gehört,  Gottesdienst um 11. Alles in allem hätte es nicht viel besser anfangen können.