31. 29./30.10.2013
Das mit dem "geteerte Straße" ist so nicht ganz richtig. Deswegen war auch das mit dem tagsüber nur zur Hälfte zutreffend. 270km, Bayreuth - München, wie lange braucht man dafür? Zwei Stunden, vielleicht drei, bei viel Verkehr oder Baustellen. Oder eben 13, wenn die Straße in "erbärmlichem" (Zitat Reiseführer) Zustand ist. Wobei ich als Deutscher bei den Stichworten "erbärmlich" und "Teerstraße" an viele Schlaglöcher und ausgewaschene Teilstücke denke. In Wirklichkeit sind vom einstigen Teerbelag nur kleine Inseln geblieben, die zu befahren noch schädlicher für das Fahrzeug ist, als gleich die schräge Rinne daneben zu benutzen. Ich erlebe Neigungswinkel, von denen ich nicht gedacht hätte, dass sie mit einem Bus möglich sind (und der Busfahrer scheint sich auch nicht immer sicher zu sein). Die Landschaft entschädigt zwar nicht für den Fahrkomfort, ist aber sehenswert, besonders der langsame Übergang von gebirgigen, fruchtbaren Tropen über Savanne bis zur Wüste, wo nur noch ein paar Akazien stehen. Und so holpern wir in Lodwar um 2 Uhr nachts ein (offizielle Abfahrtszeit in Kitale: 10 Uhr morgens), glücklicherweise hat sich bereits während der Fahrt jemand gefunden, der uns ein (überteuertes) Taxi zu einem Hotel organisiert. Da die kenianische Armee zur Zeit irgendwelche Manöver durchführt, gibt es nur noch zwei Einzelzimmer. Beide zu nehmen wäre zu teuer, eins ist komfortabel, aber mit Minibett, das andere desolat, aber mit breitem Bett. Ein bis zwei Stunden nach Sonnenaufgang wird die Hitze - Deckenventilator hin oder her - sowieso unerträglich, wir nehmen das Ranzzimmer für die paar Stunden Schlaf.
Unser Plan für heute ist, uns irgendwie nach Eliye Springs durchzuschlagen. Der Ort liegt malerisch am Lake Turkana, dem größten Wüstensee der Welt. Dort gibt es eine halbwegs günstige Lodge und einen der wenigen Strände ohne Krokodile. Die Straße dorthin ist eine bessere Spur im Sand, es gibt keinen öffentlichen Verkehr und der Lonely Planet schlägt vor, für 50€ ein Auto zu mieten. Wir treffen beim Frühstück auf ein paar "Guides". Eine Gruppe von 20 jungen Locals versucht den Tourismus in ihrer Heimat anzukurbeln und bietet uns, nach zähen Verhandlungen, einen Trip auf Motorbikes für 30€ an. Die 50km dauern, dank Panne, 2 Stunden und waren das schönste, was ich hier bisher erlebt habe. Die Fahrer sind Turkana, kennen also die Gegend und die Menschen dieses Hirten- und Fischervolks, das teilweise immer noch nomadisch lebt. Während der Pannenreperatur mitten in der Wüste kommen zwei junge Turkana vorbei, einer nackt, der andere mit einer Art Tuch und Umhang zugleich bekleidet, beide mit Hirtenstäben. Sie sehen aus wie 10 und 16, haben aber nie eine Schule besucht, können also kein Englisch und auch kein Kishuaheli. Im Tausch gegen einen Abzug der Familie des Weißen darf dieser sogar ein Foto machen. Die gesamte Fahrt ist ein wahnsinnig intensives Erlebnis. Die heiße Luft, die den Mund austrocknet, Sand, der auf einen einprasselt, die Weitläufigkeit der lebensfeindlichen Landschaft und trotzdem Kamele, Ziegen und einige Hüttensiedlungen auf dem Weg.
Wie wir zurückkommen, ist noch nicht ganz klar. Vielleicht finden wir eine Trampmöglichkeit, im schlimmsten Fall müssen wir nochmal für die Motorbikes zahlen. Bleiben können wir nur eine Nacht, ab dem 31. ist alles ausgebucht, weil hier am 3. November eine 14-sekündige Sonnenfinsternis stattfindet und es scheinbar genug Europäer gibt, denen das ein Flug nach Kenia wert ist. Die Lage ist traumhaft, der See hat ungefähr 30ºC und nach kurzer Rücksprache mit der überaus netten Rezeptionistin dürfen wir uns von den Turkana-Fischern einen Fisch aus dem See kaufen und zum Abendessen zubereiten lassen.
In etwa zwei Tagen sind wir dann wieder in der modernen Welt mit Internet, Schulpflicht, Selbstverwirklichung usw. Aber falls ich mal genug von allem habe, weiß ich jetzt, wo ich hin muss, immerhin waren schon Hippies hier.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen