Montag, 18. November 2013

Stadtleben

47. 16.11.2013

Auch hier kann man für einen Euro früstücken, aber generell ist Nairobi ein teures Pflaster. Den gesamten Tag laufen wir in der Stadt umher, besuchen eine Moschee, fahren ein Hochhaus hinauf. Nichts besonderes, aber spaßig. Abends haben wir fest geplant noch einmal auszugehen, obwohl selbst die Metropole Ostafrikas nichts anderes hat als Reggeaton, Ragga und Dancehall. Unterschiedlich ist nur das Publikum, der Style und die Preise. Das ist etwas, was uns beiden hier häufig auffällt: Die gesellschaftliche Einheitlichkeit. Man mag Fleisch und Fußball, hört Reggeaton, heiratet und glaubt an Gott (oder Allah), ob Tagelöhner oder Universitätsdozent. Kulturellen oder gesellschaftlichen Pluralismus sucht man auch in der Hauptstadt fast vergebens. Fast, weil eine neue, junge, gebildete Generation zumindest in den Großstädten Individualität wagt. Die interessantesten und auch (für uns) sympathischsten Einheimischen, die wir kennengelernt haben, gehören dazu.
Vor dem Abendprogramm lasse ich mich beim Essen über den Tisch ziehen und gebe aus Frust noch mehr Geld für Essen aus. Dann sind wir urplötzlich angetrunken, lernen einen Schweizer und zwei Locals kennen und verbringen eine schöne, wenn auch durchschnittliche Nacht in Downtown Nairobi.

Sonntag, 17. November 2013

Endlich Großstadt

46. 15.11.2013

Zuerst decke ich mich mit Sandwiches ein, wer weiß, wann ich dazu das nächste Mal Gelegenheit haben werde. Dann geht es mit dem Matatu zwei Stunden nach Nairobi. Viele haben uns gewarnt vor der Metropole mit ihren Taschendieben und Überfällen, aber der CBD ist eine westliche Oase inmitten der typischen geschäftigen, schäbigen Stadtviertel. Breite Teerstraßen ohne Staubschicht, Malls, Hochhäuser - nur McDonalds und Starbucks fehlen, ihre Lücke wird durch südafrikanische Fastfood Ketten geschlossen. Sogar hier zwischen Banken und Restaurants gibt es Budget Hotels und eines davon beziehen wir, bevor wir zu einer Sightseeing Tour mit Abendessen und Theaterbesuch aufbrechen. In Nairobi spielt die einzige professionelle Gruppe Ostafrikas, in einem Keller, der vom Ambiente her an unsere kleinen Schauspielhäuser und Kabarets erinnert, sehr unafrikanisch auf alle Fälle. Das Stück ist hervorragend und zwei der vier Schauspieler haben nicht einmal einen Hauch von Akzent in ihrem Englisch. Nach dem Theater freunden wir uns mit einer Freundin einer der Schauspielerinnen an und laufen gemeinsam mit ihr den Kilometer zurück zum Hotel (Hallo Mama). Jetzt ist es halb zwei und ich bin immer noch wach, wahrscheinlich kulturgeschockt von dem mondänen Lebensstil, nach eineinhalb Monaten Peripherie.

Donnerstag, 14. November 2013

Hell's Gate

45. 14.11.2013

Aufstehen schon um halb acht, immerhin wollen wir heute nach Hell's Gate. Was genau wir dort machen, ist uns selbst noch nicht ganz klar, Wandern ist auf jeden Fall dabei. Fürs Mittagessen kaufen wir im großen Supermarkt nebenan Sandwiches. Klingt nach normaler Verpflegung, aber es ist das erste Mal in eineinhalb Monaten, dass ich so etwas zu Gesicht bekomme. Das geht beim Käse los. Obwohl alle Beef essen, sind Milchprodukte eine preislich abenteuerliche Ausnahmeerscheinung. Der Schinken / Die Salami vom Schwein wird von vielen Stämmen als unrein gesehen, von der muslimischen Minderheit mal ganz abgesehen. Ich bin also überglücklich, auch wenn es aufgrund von Kommunikationsschwierigkeiten zwischen Bäckerei und Café nur HotDog Brötchen und keine Baguettes gibt (wenn alles funktioniert, ist man entweder nicht mehr in Afrika oder in einer Touristenlodge und bekommt gleich eine saftige Rechnung präsentiert). Am Parkgate lernen wir einen kanadischen Entwicklungshelfer kennen, der im Kongo arbeitet, einen Hang zu Alkohol hat und beeindruckt vom Reichtum und der guten Infrastruktur Kenias ist. Dabei ist auch seine polnische Freundin mit abgeschlossenem Psychologiestudium und Hang zu Zigaretten. Zusammen laufen wir die acht Kilometer durch den Park bis zur eigentlichen Sehenswürdigkeit, einer engen Schlucht, die man durchlaufen und -klettern kann, wenn sie nicht gerade von Niederschlägen geflutet ist. Schön das alles, aber man fragt sich doch immer wieder, ob das 25$ rechtfertigt. Nach der guided tour gehen wir auf eigene Faust zum zweiten Gate weiter, was uns mit misslungenem Aussichtspunktabstecher auf stolze 20km per pedes und ohne Schatten bringt. Der Westteil des Parks, durch den die zweite Tageshälfte führt, ist vom Tourismus gänzlich unberührt. Das mag daran liegen, das er aus einer von einer Teerstraße durchzogenen Industrielandschaft mit Bohrlöchern, Kraftwerken und großen Schloten besteht, die sich nicht so recht in das Konzept von Nationalparks einordnen möchte. Aber wo sonst kann man in einem solchen mit einem Trucker den Berg rauftrampen? Zurück nach Naivasha fahren wir umsonst - im Schulbus. Nachdem jeder ein Foto mit den Weißen gemacht, werden diese für die Klassenfahrt uninteressant und wir können uns in aller Ruhe unseren Sonnenbränden widmen. Ich wusste nicht, dass Beine so rot werden können und Katha hat einen gesunden Tomaten Teint. Zum trotteligen Touristenbild fehlen uns jetzt bloß noch schattenspendende Stoffhüte.

Erzwungene Beschäftigungslosigkeit

44. 13.11.2013

Die Teefabrikführung kann, welch Überraschung, nicht stattfinden, wegen Inspektion, Reperaturen oder sonstwas. Unwichtig warum, wir verlassen Kericho eine Stunde später ohne schlechtes Gewissen Richtung Naivasha auf einer der besten Straßen des Landes, die es bei uns immerhin zur Land- oder sogar Bundesstraße bringen würde. Naivasha liegt unweit von Nairobi (100km) am gleichnamigen See und ist beliebtes Wochenendausflugsziel sowohl von reichen Kenianern als auch Weißen. Grund ist die Natur, die in einigen Nationalparks um den See konserviert wird. Einem davon, Hell's Gate, planen wir morgen einen Besuch abzustatten. Für heute geben wir uns mit Einkäufen, mehrstündigem Entwursten der eigenen Haare (Kathas Dreads) und einem hervorragenden Abendessen zufrieden.

Ausgedehnte Unproduktivität

43. 12.10.2013

Die Zeit, die ich früher aufstehe, hole ich mit ausgedehnter Dusche (Warmwasser! nicht selbstverständlich) und dem Versuch eines extravaganten Frühstücks raus. Leider schmeckt der "Black Forest Gateaux" nicht halb so gut wie er aussieht.
Mit einem Matatu fahren wir zu den Teeplantagen und Fabriken außerhalb der Stadt. Wie Gras überziehen die hellgrün treibenden, hüfthohen Teebüsche (eigentlich gestutzte Bäume, da 9 Meter hohe Gewächse die Ernte um einiges erschweren würden) die gesamte hügelige Landchaft. In die Fabrik zu kommen entpuppt sich als bürokratische Prozedur, mit Bittschreiben an den Manager, Bestätigung etcetera. Recht schnell steht fest: Heute wird nix mehr draus. Wir entschließen uns, trotz der Unsicherheit ob es überhaupt klappt, für eine weitere Nacht in Kericho und statten auf unserem Rückweg dem Tea Hotel einen Besuch ab. Das einzige höherklassige Hotel der Stadt wirkt als wäre Kenia nach wie vor Kolonie, gäbe es da neben schwarzen Angestellten nicht auch schwarze Gäste. Englischer Garten, Herrenhaus, gigantischer Kamin, Jagdtrophäen an der Wand. Für diese Verhältnisse günstig dinieren wir im Speisesaal das erste Mal seit über einem Monat westliches Essen, was eine willkommene Abwechslung zu Ugali, Stew und Chips Masala ist.

Montag, 11. November 2013

Tschüss Eldoret

42. 12.10.2013

Ein letztes Mal Erndnussbutter zum Frühstück, die gibt es nur bei der Gastfamilie, nirgends sonst. Nach ein paar Erledigungen in der Stadt und einigen weiteren Abschieden fahren wir bei strömendem Nachmittagsregenzeitregen nach Kericho, städtisches Zentrum eines der größten Teeanbaugebiete der Erde. Bei unserer Ankunft ist es dunkel und wir sind froh schnell etwas zum Übernachten zu finden, aber morgen versuchen wir irgendwie auf die Plantagen und vielleicht sogar in eine der Fabriken zu kommen. Übrigens sind afrikanische Städte sehr klein für ihre Einwohnerzahlen. Das Stadtzentrum von Eldoret (100 000 - 200 000 Einwohner) misst nicht mehr als 1×1km, selbst die Millionenstadt Nairobi kann man locker an einem Tag zu Fuß anschauen. Dafür werden sie von einem großen suburbanen Gebiet aus Siedlungen und Satellitendörfchen umschlossen, das auch das Gros der Population ausmacht.

Abschlussveranstaltungen

41. 10.09.2013

Letzter Tag in Eldoret, das auch nicht schöner ist als andere kenianische Städte. Nach europäischen, insbesondere deutschen Maßstäben also vermüllt, laut, unstrukturiert, heruntergekommen, hässlich. Für uns ist es in über einem Monat trotzdem eine Heimat in der Fremde geworden, was nicht zuletzt auch an der tollen Unterkunft, sprich Gastfamilie lag.
Zum Abschluss gehen wir mit einer Freundin in einen schrecklichen vierstündigen Gottesdienst, wo ein augenscheinlich fanatischer Priester ein bemitleidenswertes Mikrofon und übersteuerte Boxen mit infernalischen Tiraden über die fehlende Autorität Gottes in der verweltlichten Welt malträtiert. Wahrscheinlich als Abwehrreaktion kriege ich Kopfschmerzen und gehe nach 1,5 Stunden vor die Tür, wo ich die Zeit wartend sinnvoller verbringe. Danach fahren wir zu eben dieser Freundin nach Hause in ein Viertel, das Slumcharakter hat. Sie selbst wohnt aber in einem echten Haus mit Strom. Unnötig zu erwähnen, dass wir ordentlich was zu essen gekriegt haben, obwohl wir vorher noch gesagt haben, dass wir zum Abendessen ausgehen. Um 18 Uhr treffen wir Liz und David und nehmen mit einem Inder vorlieb, weil der vorgesehene Chinese geschlossen hat. Super Essen, dass David leider nicht genießen kann, weil er mit seiner Mannschaft Arsenal leidet, die gegen Manchester United verliert.
Vor dem Schlafengehen versuche ich noch einen Shot aus der Schnapsflasche, die ich aufgrund fehlender Anlässe seit zwei Wochen mit mir rumschleppe und ärgere mich, dass ich sie nicht früher weggeschmissen habe. Von wegen Wodka schmeckt immer gleich.
Katha bekommt im Laufe des Abends ihre vierte (Schätzwert) große Liebe gestanden (nicht von David, der ist eine angenehme Ausnahme von den normalen Männern hier). Kenianer stellen sich dabei so unbeholfen an, dass man meinen sollte, sie machen selbst nur einen Scherz. Bei direktem Kontakt rutscht ihnen kein Kompliment, keine Andeutung von besonderer Zuneigung raus, danach setzen sie alles daran, die Handynummer zu kriegen und teilen dann einen Tag bis eine Woche später die große Liebe nebst Heiratswünschen oder anderen Zukunftsplänen per SMS oder, ganz mutig, Telefongespräch mit. Der besondere Reiz Kathas liegt neben ihrem exotischen Aussehen für Junggesellen vor allem in dem vermeintlichen Reichtum, der durch die weiße Hautfarbe signalisiert wird.